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Horst Reinfrank

Unser Club nimmt Abschied ...

Der Dürkheimer HC trauert um seinen Ehrenvorsitzenden, der deutsche Hockeysport  verneigt sich vor einem seiner Großen: Horst Reinfrank, über 40 Jahre lang Präsident des DHC, ist am Dienstag im Alter von 78 Jahren gestorben. Er war Vordenker und Vorarbeiter, Visionär und Vaterfigur im Verein. Und Funktionär wollte er nur sein, "damit es funktioniert".

Horst Reinfrank - das war der DHC. Der DHC - das ist Horst Reinfrank. Und wird es bleiben, auch über seinen Tod hinaus. Kein anderer hat mehr Engagement und Einsatz, mehr Herzblut und Hingabe, mehr Arbeit und Aufwand in den Dürkheimer Hockeyclub gesteckt als der "Präsident". Mit diesem Ehrentitel adelten ihn seine Hockeyer mit dem ersten Aufstieg in die Hallen-Bundesliga 1978. Es war die Krönung von mehr als einem Jahrzehnt Aufbau- und Nachwuchsarbeit – und doch nur der Anfang. Nach einer Berg-und-Tal-Phase spielte sich der DHC nach dem dritten Aufstieg 1984 endgültig in der nationalen Spitzenriege fest, stand bereits 1986 und 1987 jeweils im deutschen Hallenendspiel, krönte sich 1992 und 1993 zweimal als deutscher Feldhockey-Meister und sicherte sich mit einer Traumserie von vier Hallentiteln zwischen 1997 und 2000 einen Platz in den All-Time-Best-Annalen des deutschen Hockey. Als Horst Reinfrank 2007 nach exakt 40 Jahren an der Spitze des Vereins sein Amt, aber nie die Arbeit niederlegte, waren zudem eine fünfte DM-Hallenmeisterschaft 2005, vier Europapokalsiege und ein gutes halbes Dutzend DM-Titel von  DHC-Nachwuchsteams seit 1979 in der grandiosen Erfolgsbilanz festgeschrieben. Plus ein buchstäblich einmaliger Pokaltriumph 1995 im ersten und einzigen Cupwettbewerb auf Bundesebene.  Die Wimpelgalerie in Blau, Grün und Schwarz, die eine ganze Wand im Ende der Neunziger errichteten schmucken DHC-Clubhaus tapeziert, hatte der Präsident im Blick, wenn er bei den wöchentlichen Clubabenden des DHC seinen Stammplatz einnahm.

Horst Reinfrank ging bei den Dürkheimer Hockeyern fast zeitlebens voraus. Mit 16 war er der erste (Jugend-)Nationalspieler des DHC, mit 25 löste er seinen Vater Carl an der Vereinsspitze ab, bis 33 war er Kapitän, Abwehrchef und strammer Eckenschütze der ersten Herren, die er 1963 erstmals zum Landesdouble in Feld und Halle sowie in eine deutsche Hallenendrunde führte. Im Feld stand er mit seiner Truppe 1967 vor mehr als 2000 Zuschauern im Stadion Trift im DM-Halbfinale.

Zu Höchstform lief Horst Reinfrank indes als umtriebiger und umsichtiger Vereinschef auf. Sein Pensum als Verantwortlicher wie oberster  Fan war nahezu unaufhörlich, und obwohl man ihm bisweilen Arbeit förmlich abnehmen musste, traf sein Führungsstil fast immer die optimaleMitte zwischen straffem Zügel und langer Leine. Er nahm seine Leute mit, und die folgten seiner natürlichen Autorität und seinem Instinkt mit dem Vereinswohl als alleinigem Antrieb stets überzeugt . Selbst bei „einsamen“ Entscheidungen wie seiner besten Anfang der Achtziger, als er für den ärmsten Verein aus der kleinsten Stadt im Reigen der Bundesligisten keine Alternative mehr sah, als einen hauptberuflichen Trainer  einzustellen. Es war einer der ersten im deutschen Hockey, und es war der Grundstein für die Goldene Ära, die auf ewig unübertroffen bleiben wird.

Und noch so ein Husarenstück: 1993 zog der DHC als Titelverteidiger mit einem Halbfinalsieg beim Dauerrivalen Uhlenhorst Mülheim erneut ins Feldendspiel ein, ehe er wegen eines vermeintlichen Regelverstoßes der Referees nachträglich am grünen Tisch um die Früchte seiner Leistung gebracht werden sollte. Prompt engagierte der Präsident für die Berufung vor der höchsten Sportgerichtsinstanz keinen Geringeren als Reinhard Rauball, heute bekannt als Präsident von Borussia Dortmund und Ex-Chef der Deutschen Fußball-Liga, damals einer der renommiertesten Sportanwälte Deutschlands. Das  juristische Trumpf-Ass stach - den Triumph komplett machte der 2:1-Finalsieg eine  Woche später im heimischen Stadion gegen den Harvestehuder THC.

Natürlich ist der gebürtige Dürkheimer, Beamtensohn und im „Nebenberuf“ Industriekaufmann, für seine Verdienste  hoch dekoriert worden. So erhielt Reinfrank 2009 das Bundesverdienstkreuz, 2006 die Goldene Ehrennadel der Stadt Bad Dürkheim sowie davor 2001 den Sport-Obelisken des Landes Rheinland-Pfalz sowie 2003 die Paul-Reinberg-Medaille des Deutschen Hockey-Bundes als jeweils höchste Auszeichnung für Vereinsarbeit. Es gehörte zum Selbstverständnis Reinfranks, dies stets als Würdigung für den DHC, kaum für sich selbst anzunehmen.  Der Typus Funktionär, der nur große Sprüche klopft, war ihm zuwider. „Ich bin nur Funktionär, damit es funktioniert“, machte er nie um ein Aufhebens um sich selbst, wie er auch in Sieg wie Niederlage stets er selbst blieb.  Und so wussten Mitglieder und Aktive nicht nur die Vereinsgeschicke in besten Händen, sondern sahen den Präsidenten sogar  beim Spiel- und Werbebandenaufbau anpacken und noch im Ruhestand als ältesten Balljungen. Ohnehin Kult war das obligatorische Ritual nach Titelgewinnen: Ohne das unbedingt  steigerungsfähige  „Zicke-zacke, zicke-zacke“ des Präsidenten war keine Siegesfeier denkbar.

Generationen von großen und kleinen Hockeyern samt   Trainern und Betreuern  war Horst Reinfrank Integrationsfigur und väterlicher Freund. Selbst Nationalspieler bis hin zu Olympiasiegern und Weltmeistern, die in seiner Ägide heranreiften, schauten zu ihm auf - weil er selbst jedermann  auf Augenhöhe begegnete.  Auf den Punkt gebracht hat es der größte DHC-Spieler aller Zeiten.  Was das Beste am DHC sei, wurde Christian Mayerhöfer gefragt. Klare Sache:   „Horst Reinfrank ...“

In den letzten Jahren fiel der Vater zweier Töchter und dreifache Großvater dem zunehmenden Vergessen anheim. An ihn selbst, an seine Persönlichkeit und sein Lebenswerk in mehr als 70 Vereinsjahren, davon 50 im Ehrenamt,  werden Generationen von Hockeyspieler*innen, Mitglieder und Fans des DHC eine dankbare, respektvolle und liebevolle Erinnerung behalten. 
 

Peter Spengler
im Namen des Vorstandes, im Namen des gesamten Vereines

27. Mai 2020

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